Studienverzicht: Wissenschaftsminister dürfen Alarmsignal nicht überhören
Erneut haben mehr junge Menschen auf ein Studium verzichtet. Laut Statistischem Bundesamt sanken die Zahl der Studienanfängerinnen und -anfänger um 5 Prozent. Dazu erklärt Kai Gehring, hochschulpolitischer Sprecher:Der Rückgang der Studienanfängerzahlen ist ein peinliches Armutszeugnis für die Hochschulpolitik von Bund und Ländern. Weniger Studienanfänger sind ein lautes Alarmsignal an die Wissenschaftsminister in Bund und Land. Wenn immer mehr Abiturienten auf ein Studium verzichten, dann drohen Hochschulpakt und Qualifizierungsoffensive zu Rohrkrepierern zu werden. Wer den Akademikermangel sonntags bekämpfen will und ihn werktags immer weiter verschärft, macht sich unglaubwürdig.
Während massenhaft Studienplätze fehlen und der Hochschulpakt äußerst schleppend anläuft, türmen sich immer höhere Zugangshürden vor dem Campus. Steigende Numeri Clausi, Zulassungs-Chaos, Studiengebühren und Unterfinanzierung lassen den Hochschulzugang zum Nadelöhr verkümmern. Mit immer höheren Zugangshürden droht das prognostizierte Studierendenhoch zum Akademikertief zu werden. Dies wäre fatal für unsere Wissensökonomie.
Zugangshürden müssen daher weitgehend beseitigt und der Studienplatzmangel nachhaltig bekämpft werden. Wer Studienverzicht verhindern will, braucht mehr Studienplätze, klare Zulassungsregeln, den Abbau lokaler NCs und die Abschaffung von Studiengebühren. Zugänge zur Hochschule müssen systematisch verbreitert statt verbaut werden - nur so werden die Erstsemesterzahlen wieder steigen. Diese Hausaufgaben sind von den Wissenschaftsministern von Bund und Ländern auf Merkels Bildungsgipfel zu lösen - andernfalls sind sie schwer versetzungsgefährdet.







