Suche in http://kai-gehring.de/
Vorausschauen
Keine Panzer für Diktatoren
20 FAKTEN ÜBER ATOMKRAFT
ATOMAUSSTIEG EINFACH SELBER MACHEN UND JETZT STROM WECHSELN
Mitglied werden
23. November 2006

Killerspiele: Scheindebatte beenden

Schreckliche Gewaltausbrüche wie der von Emsdetten lassen sich nicht eindimensional erklären. Wir brauchen bei jedem Einzelfall eine intensive Ursachenanalyse. Deshalb kann die Konzentration auf nur eine scheinbare oder mögliche Ursache nur falsch sein. Wir fordern von den politisch Verantwortlichen in Bund und Ländern eine Versachlichung der Debatte.

Schreckliche Gewaltausbrüche wie der von Emsdetten lassen sich nicht eindimensional erklären. Wir brauchen bei jedem Einzelfall eine intensive Ursachenanalyse. Deshalb kann die Konzentration auf nur eine scheinbare oder mögliche Ursache nur falsch sein. Wir fordern von den politisch Verantwortlichen in Bund und Ländern eine Versachlichung der Debatte.

 

 

Die Diskussion um ein Verbot von Killerspielen greift zu kurz. Gewalt verherrlichende Computerspiele können schon jetzt verboten werden und werden auch verboten. Spiele, die Krieg und Gewalt verherrlichen sowie die Menschenwürde verletzende Spiele, dürfen nicht beworben und an Jugendliche verkauft werden. Wir haben in Deutschland einen im internationalen Vergleich besonders rigiden Jugendmedienschutz. Wer fordert, Killerspiele zu verbieten, ignoriert die bestehende Gesetzeslage. Die bisherige Alterseinstufung durch die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) hat sich bewährt. Allerdings ist es politische Aufgabe, die einzelnen Kriterien zu evaluieren, damit kein Spiel durchs Raster fällt (z.B. "Grand Theft Auto").

 

 

Killerspiele "in einer Größenordnung von Kinderpornographie einzuordnen", wie es der bayerische Innenminister Beckstein fordert, zeugt von purem Aktionismus und Populismus. Hier geht es um komplexe Probleme, bei denen einfach scheinende Lösungen keine Abhilfe schaffen.

 

 

Der reflexartige Ruf nach einfachen und schnellen Lösungen ist weder ziel führend noch nachhaltig.

 

 

Verbote zu fordern, erscheint bestechend einfach. Wer das tut, muss sich aber auch fragen, was solche im Zeitalter des freien Zugangs über das Internet überhaupt bringen. Weiterhin gibt es keinen wissenschaftlichen Nachweis für einen direkten Zusammenhang zwischen Gewaltbereitschaft und Killerspielen.

 

 

Wir können die Verantwortung für Gewalttaten nicht auf Computerspiele abwälzen. Stattdessen müssen wir nachfragen, was in einem Schüler vorgeht, der zu Taten wie in Erfurt oder Emsdetten bereit ist. Vielmehr müssen wir eine sachliche Diskussion darüber führen, wie wir gefährdete Kinder und Jugendliche so in unsere Gesellschaft integrieren, dass sie sich nicht als Versager fühlen. Wir brauchen ein stärkeres Hinsehen bei solchen Jugendlichen, für die gewalttätige Computerspiele zur Sucht oder zum Lebensmittelpunkt zu werden drohen. Die aktive Bekämpfung von Isolation und Perspektivlosigkeit sind deshalb vorrangige Aufgabe der Politik.

 

 

Statt ineffektive neue Verbote zu fordern, sollten wir Anstrengungen und Mittel in die Förderung von Erziehungs- und Medienkompetenz investieren. Schulen, Eltern, Schülerinnen und Schüler müssen hinsehen, bevor Isolation und Frustration überhand nehmen. Die Vielschichtigkeit dieser Probleme lässt sich nur durch ein übergreifendes bildungs-, jugend- und medienpolitisches Maßnahmenpaket lösen.