Bologna-Prozess: Zweite Reformwelle für Qualität ins Rollen bringen
Zur Bologna-Ministerkonferenz im belgischen Löwen erklärt Kai Gehring, hochschulpolitischer Sprecher:Die Umsetzung der Bologna-Reform in Deutschland ist durchwachsen, viele Kernziele sind noch nicht erreicht. Bisher hat man sich viel zu sehr auf die Struktur beschränkt. Es ist aber keine Studienreform, auf alte Diplom- und Magisterstudiengänge das neue Etikett "Bachelor" zu kleben. Es muss jetzt eine zweite Reformwelle anlaufen, mit der die Qualität von Studiengängen und Lehre auf Vordermann gebracht wird. Nur so kann die Vision eines europäischen Hochschulraums Wirklichkeit werden anstatt sich im Klein-Klein zu verlieren.
Die Bundesregierung hat aus Löwen ein dickes Hausaufgabenheft mitbekommen, das sich mit grünen Verbesserungsvorschlägen deckt. Studiengänge müssen studierbar sein, die studentische Arbeitsbelastung muss verringert werden. Die Hochschulen müssen den Spielraum erhalten und nutzen, sieben- und achtsemestrige Bachelor-Studiengänge anzubieten. Ein Auslandsstudium oder studentisches Engagement muss ohne Studienverzögerung oder Dauerstress einzutakten sein.
Ausdifferenzierung und Vielfalt der Studiengänge darf die Mobilität der Studierenden nicht einschränken, sondern muss diese anregen.
Eine besondere Herausforderung der Bologna-Umsetzung hierzulande ist die soziale Öffnung der Hochschulen. Wir müssen zu mehr gesellschaftlicher Vielfalt auf dem Campus kommen. Aufgabe von Bund und Ländern ist es, die Öffnung der Hochschulen für bisher unterrepräsentierte Gruppen voranzutreiben und Hürden ab- statt aufzubauen. Unabdingbar dafür sind eine bessere Studienfinanzierung und ein Ausbau der sozialen Infrastruktur an den Hochschulen (wie Studienberatung, Wohnheimplätze und Kinderbetreuung).







