Coming-out unterstützen
Beim Homophobie-Kongress der grünen Bundestagsfraktion wurde in einem Workshop unter dem Motto „Coming-out im 21. Jahrhundert“ über die Situation von lesbischen und schwulen Jugendlichen diskutiert.Kai Gehring, jugend- und hochschulpolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion, skizzierte zunächst Problemlagen von jungen Lesben und Schwulen. Insbesondere Schule müsse ein diskriminierungsfreier Raum werden. Dass „schwul“ das häufigste Schimpfwort auf Schulhöfen ist, zeige die Alltäglichkeit von Herabwürdigung. Auch wenn die Akzeptanz gestiegen sei, gebe es weiterhin mehr oder weniger subtile Formen der Diskriminierung und besondere Belastungen beim Coming-out. Dies habe die Bundestagsfraktion wiederholt thematisiert. Als Beispiel nannte Gehring die Große Anfrage „Jugendliche in Deutschland“: Die Regierung habe in ihrer Antwort eingeräumt, dass lesbische und schwule Jugendliche in besonderer Weise gesellschaftlicher Diskriminierung ausgesetzt sind und ihr Suizidrisiko viermal höher liege als bei heterosexuellen Jugendlichen. Gleichzeitig verweigerte sie jedoch die Umsetzung des rot-grünen Bundestagsbeschlusses von 2005, eine Bestandsaufnahme zur Lebenssituation schwuler und lesbischer Jugendlicher durchzuführen, um Ursachen zu ermitteln und Maßnahmen zu entwickeln.
In der Diskussion wurde verlangt, Coming-out-Arbeit stärker im Kontext von sexueller Selbstbestimmung zu thematisieren, um mehr Menschen zu erreichen. Dr. Bodo Lippl, Vertretungsprofessor für Empirische Sozialforschung, forderte staatliche Bekenntnisse zur Antidiskriminierung. Er gab einen Einblick über Befunde zur Diskriminierung von jungen Lesben und Schwulen. Studien belegten verbale und körperliche Gewalt, aber auch Verschweigen und Bagatellisieren. Problematisch sei, dass es sich oft um selektive Momentaufnahmen handele. Notwendig wären Forschungen zu Coming-out-Prozessen im Lebensverlauf.
Gila Rosenberg, Geschäftsführerin des Jugendnetzwerks Lambda, berichtete gemeinsam mit jungen BeraterInnen aus der Coming-out-Arbeit, die überwiegend von Ehrenamtlichen getragen werde. Wichtigste Ziele seien zunächst das Angebot geschützter Räume und die Entwicklung zu selbstbestimmten Persönlichkeiten. Sie forderte die Verstetigung der Jugendarbeit und regelmäßige Aufklärungsprojekte an allen Schulen.
Detlev Mücke von der AG Schwule Lehrer der GEW erläuterte, dass es zwar mehr Materialien gebe, aber es an der fächerübergreifenden Umsetzung fehle. Ein Grund sei, dass das Thema kaum losgelöst von der eigenen Person behandelt werden könne und dies in der LehrerInnenausbildung nicht vorkomme. Sinnvoll wäre zudem ein Themenheft zur schwul-lesbischen Bürgerrechtsbewegung, das die Bundeszentrale für Politische Bildung momentan verweigere.







