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Der Tag in Essen begann mit dem Besuch des innovativen "Kulturwissenschaftlichen Institutes NRW?, kurz KWI. Als Gesprächspartner standen uns der Geschäftsführer des KWI, Dr. Norbert Jegelka sowie der Soziologe und Bestseller-Autor Prof. Dr. Harald Welzer zur Verfügung. Das KWI, so berichtete Dr. Jegelka, sei ein interdisziplinäres Forschungsinstitut und -kolleg für Geistes- und Naturwissenschaften. Es steht damit in der Tradition internationaler Advanced Study-Institute. Die Grundstruktur ist zudem interuniversitär angelegt, das Institut der "Universitätsallianz Metropole Ruhr? (UAMR) zugeordnet. Neben der Universität Duisburg-Essen ist also auch die TU Dortmund und die Ruhr-Uni Bochum am KWI beteiligt. Forschungsschwerpunkte sind die Grundfragen, Probleme und Konflikte der modernen Gesellschaft. Zu wechselnden Themen der Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften richtet das KWI befristete Forschungsgruppen und Projekte ein und besetzt diese mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus dem In- und Ausland. Interkultur, Erinnerungskultur und Klimakultur bilden besonders wichtige Projektbereiche des KWI. Der zweite Teil des Gesprächs widmete sich dann auch dem aktuellen Forschungsschwerpunkt "KlimaKultur?. Prof. Welzer stellte der grünen Delegation dazu seine Publikation "Klimakriege. Wofür im 21. Jahrhundert getötet wird." vor. Seine Ausgangsthese ist, dass der Klimawandel und all seine negativen Begleiterscheinungen endlich zentraler Gegenstand auch der Kulturwissenschaft sein muss. Dieser Position folgend, drehen sich für Prof. Welzer die Konflikte des 21. Jahrhunderts nicht mehr wie zuvor um Ideologie und Systemkonkurrenz, sondern um Klassen-, Glaubens- und vor allem Ressourcenfragen. Diese Einschätzung, so bestätigten Ruth Seidl und Thorsten Drewes, würden die Grünen uneingeschränkt teilen. "Die Klimazerstörung ist erlebbare Realität und wirft Grundsatzfragen nach globalen Ungerechtigkeiten, Ressourcenkonflikten, Prävention und Sicherheit auf?, so Kai Gehring. Die im Buch vorgeschlagenen Handlungsempfehlungen seien daher wichtige Impulse für den dringend erforderlichen gesellschaftlichen Wandel. Nur so ließen sich die Klimakatastrophe und ihre Auswirkungen tatsächlich abmildern.
Nach dem Termin im KWI ging es weiter zur Gleichstellungsbeauftragten der Uni Duisburg-Essen, Ingrid Fitzek. Sie empfing uns zusammen mit ihrer Stellvertreterin Elke Währisch-Große in ihrem Büro in unmittelbarer Nähe zur Hauptbibliothek. Ingrid Fitzek, ehemalige Landtagsabgeordnete der Grünen, kam auch gleich auf die Familienfreundlichkeit der Uni und die damit zusammenhängenden Probleme zu sprechen. Nach wie vor gebe es auf dem Campus keine wirklich kinderfreundliche Atmosphäre. Man müsse "lachend und singend mit den Kinder über den Campus laufen, um zu zeigen: wir sind ein Teil dieser Uni?, so Frau Fitzek. Im Vergleich mit anderen Universitäten sei der Essener Campus aber deutlich besser aufgestellt. Dass sich die Situation nun insgesamt verbessern würde, hinge aber auch mit dem Gründungsdirektor, Prof. Dr. Lothar Zechlin zusammen. Für diesen war das Thema Gleichstellung von Anfang an ein wichtiges. Unter dem neuen Rektor, Herrn Prof. Radtke, werde diese Linie offenbar konsequent weitergeführt. Was die Zusammenarbeit mit dem Studentenwerk angehe, so funktioniere diese gut. Bei der Bedarfsabstimmung in Punkto Kinderbetreuung habe man sehr gute Erfahrungen gemacht. Was die Abstimmung und Kooperation mit der Stadt bei der Belegung der Kindertagesstätten angehe, so gebe es hier jedoch noch Verbesserungsbedarf.
Nachdem die Infoaktion zum Teil dem regnerischen Wetter zum Opfer fiel, ging es zum letzten Termin des Tages - und zugleich der NRW-Hochschultour: das Gespräch mit dem Rektor der Uni Duisburg-Essen, Prof. Dr. Ulrich Radtke. Wie bei allen Rektoratsgesprächen standen auch hier die Themen Studiengebühren, Studienplatzaufbau, Bolognaprozess und Exzellenzinitiative oben auf der Agenda.
Hinzu kam die gerade in Essen für Irritationen sorgende Diskussion über massive Stellenstreichungen im Fachbereich Romanistik. Die in der Presse und der Öffentlichkeit geäußerten Befürchtungen seien vor allem auf ein internes Kommunikationsproblem zurückzuführen, es sei nicht sein Ziel Fachbereiche zu schließen oder Professuren zu streichen, so Prof. Radtke. Ihm schwebte stattdessen eine Evaluation der betroffenen Fachbereiche aufgrund der deutlich überdurchschnittlichen Abbrecherquoten vor. Über die Evaluationsergebnisse und den Konsequenzen daraus wollen Radke und Gehring weiter im Gespräch bleiben.
Ein weiterer Punkt des Gesprächs war die Integration der Universität in der Stadt. Kai Gehring hob hervor, dass sich Essen vielmehr als Hochschulstandort begreifen müsse und er auf eine bessere Kooperation zwischen Stadt und Uni setze. Dies müsse sich in der zukünftigen Stadtplanung wiederfinden und auch stärker ins Bewusstsein der Bürgerinnen und Bürger gelangen. Prof. Radtke stimmte zu und verwies auf die Planungen der Stadt, den Campus direkt mit der Innenstadt zu verbinden, um die Uni so "im Herzen der Stadt zu verankern?. "Uni muss Teil der Stadt werden?, formulierte er.
Beim Thema Studiengebühren konnte sich der Rektor mit der grünen Position - die schnellstmögliche Abschaffung der Campus-Maut - durchaus anfreunden, wenn es im Gegenzug eine solide Gegenfinanzierung gebe. Kai Gehring und Ruth Seidl bestätigten, dass dies grüne Position sei.
Dieses letzte Gespräch bildete den vorläufigen Schlusspunkt der NRW-Hochschultour. Mit insgesamt neun Universitäten und Fachhochschulen wurde ein ambitioniertes Programm absolviert, das in vielerlei Punkten neue Erkenntnisse gebracht und teilweise alte Befürchtungen bestätigt hat. Die Hochschullandschaft in NRW, so heterogen sie auch ist, steht überall vor vergleichbaren Herausforderungen. Gerade die jahrzehntelange Unterfinanzierung macht den Hochschulen stark zu schaffen. Dass diese Finanzierungslücke nun mit dem Geld der Studierenden geschlossen werden soll, ist ein verantwortungs- und aussichtsloser Irrweg. Durch klare Prioritäten im Landeshaushalt müssen die Universitäten und Fachhochschulen in die Lage versetzt werden, den Herausforderungen der Wissensgesellschaft besser gewachsen zu sein. Dazu haben wir Grüne klare Finanzierungsvorschläge und innovative Konzepte entwickelt, mit denen wir auch weiterhin bei Studierenden und Hochschulen werben werden und punkten können.