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Der Austausch mit dem Rektor der Uni Bielefeld, Herrn Prof. Dr. Dieter Timmermann, und den Prorektoren Frau Prof. Dr. Joanna Pfaff-Czarnecka und Herrn Prof. Dr. Johannes Hellermann fand um 10 Uhr im Verwaltungstrakt der Uni statt. In freundlicher Atmosphäre startete auch in Bielefeld die Diskussion mit dem Thema Studiengebühren. Ähnlich wie in Münster, so gab es auch in Bielefeld massive Proteste vor der Einführung der Uni-Maut. Dies führte dazu, dass nicht der Höchstsatz von 500, sondern zunächst ein reduzierter Betrag von 350 Euro von den Studierenden verlangt wird. Dieser Zustand sei dennoch keine Idealvorstellung, so Gehring und Seidl. Ziel bleibe die Abschaffung des Bezahlstudiums bei gleichzeitiger Gegenfinanzierung. Prof. Timmermann gab dabei zu Bedenken, dass viele der Neuerungen, die an anderen Universitäten aus Gebühreneinnahmen finanziert würden, in Bielefeld bereits seit langem Standard seien, wie z.B. verlängerte Bibliotheksöffnungszeiten in den Abendstunden und am Wochenende.
Neben der Umstellung der Studienstruktur auf die neuen Bachelor- und Masterstudiengänge, waren auch die landespolitischen Hochschulreformen Thema. Zwar sei man seitens der Hochschulleitung froh, dass mit dem "Hochschulfreiheitsgesetz? einzelne Verfahren beschleunigt wurden, da man nun nicht mehr das Ministerium mit einbeziehen müsse. Eine Autonomie, die nur dem Selbstzweck diene und keinen Qualitätszielen folge, halte man aber für nicht erstrebenswert. Eine landespolitische Verantwortung müsse nach wie vor gegeben sein. Zum Thema "externe Hochschulräte? konnte Prof. Dr. Timmermann noch wenig Auskunft geben. Bisher habe lediglich die konstituierende Sitzung des Gremiums stattgefunden. Man habe bei der Berufung der Mitglieder aber darauf geachtet, dass die Hälfte von ihnen aus der Wissenschaft komme. Wie andernorts stieß dabei der Entwurf eines Hochschulratskorrekturgesetz der grünen Landtagsfraktion auf großes Interesse. Zum Abschluss des Gesprächs ging Herr Timmermann auf den erheblichen Sanierungs- und Modernisierungsbedarf der Hochschulgebäude ein. Neben den naturgemäß anstehenden Instandsetzungsarbeiten sei gerade die Asbestbeseitigung ein immenses Problem, das gegenfinanziert werden müsse.
Im Anschluss an den Rektoratstermin traf sich die grüne Delegation mit Prof. Dr. Andreas Zick. Im Gespräch stand die viel beachtete Studie "Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit? im Mittelpunkt, die Prof. Zick gemeinsam mit drei Kolleginnen der grünen Delegation vorstellte. Das Forschungsprojekt, das Prof. Zick mit Prof. Dr. Wilhelm Heitmeyer betreut hat, geht der Frage nach, wie Minderheiten in einer Gesellschaft von der Mehrheit wahrgenommen werden. Im Kern erforschen Heitmeyer und Zick, wie Menschen unterschiedlicher sozialer, religiöser und ethnischer Herkunft mit ihren Lebensstilen in unserer Gesellschaft leben, Anerkennung erfahren oder aber sich feindseligen Mentalitäten ausgesetzt sehen. Am Umgang mit gesellschaftlicher Vielfalt lasse sich die Qualität einer Demokratie und humanen Gesellschaft messen. Alle politischen Ebenen sind dabei gefordert, gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und somit einer Ideologie der Ungleichwertigkeit zu begegnen. Für den Erhalt einer liberalen Atmosphäre in der Gesellschaft müsse in Bund, Land und Kommune gekämpft werden.
Nach dem Gespräch mit Prof. Zick ging es weiter zu Prof. Dr. Klaus Hurrelmann. Als Jugend-, Bildungs- und Gesundheitsforscher leitete er 2002 und 2006 die Shell Jugendstudien und im vergangenen Jahr die Kinderstudie "Kinder 2007? von World Vision. Als Experte für die Lebensphase Jugend diskutierte Prof. Hurrelmann mit der grüne Delegation zahlreiche aktuelle jugendpolitische Fragestellungen. Im Zentrum stand dabei die Frage, wie Jugendlichen mehr Partizipation und politische Teilhabe ermöglicht werden könne. Über die Absenkung des Wahlalters auf allen politischen Ebenen bestand Konsens: Prof. Hurrelmann begründete dies mit der vorhandenen Reife und Entscheidungsfähigkeit der Jugendlichen. Diese habe die Jugend- und Sozialisationsforschung mehrfach nachgewiesen. Ein weiterer Schwerpunkt bildete die zunehmende Bildungsbenachteiligung von Jungs - diese müsse politisch stärker aufgegriffen und entgegengewirkt werden. Die jugendpolitischen Beschlüsse der Bundestagsfraktion lobte Hurrelmann als problembewusst und richtungweisend.
Zum Abschluss des Besuchs der Uni Bielefeld trafen sich Ruth Seidl und Kai Gehring mit Mitgliedern der Grünen Hochschulgruppe um Daniela Kleinpennig, die zugleich AStA-Referentin für Gleichstellungsfragen ist. Natürlich spielte das Thema Studiengebühren auch hier eine große Rolle. Speziell die Transparenz bei der Verwendung der Gebührengelder ließe in Bielefeld zu wünschen übrig. Oftmals sei es unmöglich schnell an die gewünschten Zahlen zu kommen. Im weiteren Gesprächsverlauf informierten Kai Gehring und Ruth Seidl sich über die aktuelle Hochschulpolitik der GHG. Bemerkenswert ist, dass die GHG-Liste die mit Abstand stärkste im Bielefelder Studierendenparlament ist. Auch NRW-weit haben die Bielefelder die Nase vorn und ernteten bei den letzten StuPa-Wahlen die besten Ergebnisse unter den grünen Hochschullisten.
Nach 16 Uhr endete der Besuch an der Bielfelder Uni. In den zahlreichen Gesprächen wurden die Herausforderungen, vor denen die Hochschulen stehen, anschaulich. Darüber hinaus konnten wertvolle Impulse für die kinder-, jugend- und hochschulpolitische Arbeit gewonnen werden.