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Der Tag begann um neun Uhr mit dem Gespräch im Rektorat der Uni Bonn. Dort wurde die grüne Delegation von Rektor Prof. Dr. Mathias Winiger und Prorektor Prof. Dr. Wolfgang Löwer in Empfang genommen. Nach einem Gesamtportrait der Universität wurden die Themen Studiengebühren und ihre transparente Verwendung, die Exzellenzinitiative und der Bologna-Prozess schwerpunktartig besprochen. Auch in Bonn wurden Unterfinanzierung und Sanierungsstau seitens des Rektorats beklagt und deutlich gemacht, dass dringend investiert werden müsse.
Darüber hinaus ging es auch um zwei spezifische Bonner Fragestellungen:
Durch die verstärkt forschungsorientierte Profilierung der Universität Bonn kommt es zu deutlichen Stellenstreichungen vor allem im Bereich der Sozial- und Geisteswissenschaften sowie der "Kleinen Fächer?. Die grüne Delegation informierte sich über die Lage, Gehring sprach sich für eine bundesweite Kartierung und Koordinierung aus, um Fächersterben zu verhindern und wertvolle Kleine Fächer zu abzusichern.
Überaus kritisch sprachen Gehring und Klocke die zusätzlichen Sonder-Studiengebühren über 150 EUR für Nicht-EU-Ausländer an. Diese erhebt die Universität Bonn quasi im Alleingang. Aus grüner Sicht stellt diese eine inakzeptable Hürde und Härte dar - die Internationalisierung geradezu konterkariert. Die Sondergebühr sehen wir umso kritischer, weil Bonn UN-Stadt ist. Die Hochschulleitung sollte ihre Haltung überdenken und endlich der fraktionsübergreifenden und einstimmigen Resolution des Bonner Stadtrates zur Abschaffung dieser Sondergebühr folgen.
Nach dem Rektoratstermin ging?s weiter zur Walter-Flex-Straße und dem dort angesiedelten innovativen "Zentrum für Europäische Integrationsforschung? (ZEI). Der Direktor des ZEI, Prof. Dr. Ludger Kühnhardt, begann mit einem Eingangsstatement zur Struktur des Zentrums und dessen Forschungsschwerpunkten. Diese orientieren sich an aktuellen und langfristigen Fragestellungen zum Einigungs- und Erweiterungsprozess in Europa. Das Forschungsprogramm wird in zwei Abteilungen und einer Arbeitsgruppe, die interdisziplinär zusammenarbeiten, durchgeführt. Anschließend kam Prof. Kühnhardt auf die internationale Ausrichtung des Institutes zu sprechen. Man kooperiere mit verschiedenen Instituten und WissenschaftlerInnen auf dem ganzen Globus, fördere überdurchschnittlich viele ausländische Studierende und NachwuchswissenschaftlerInnen und berate verschiedene Regierungs- und Nicht-Regierungsorganisationen auch außerhalb der EU. Die politisch-institutionelle Struktur der Europäischen Union sei, so Kühnhardt, ein sehr interessantes Projekt für Staaten in Asien und Afrika, die eine engere wirtschaftliche und politische Kooperation planen. Setze sich diese Entwicklung fort, so könne die EU als politisches System zum "Impulsgeber und Exportschlager? avancieren. Zum Schluss des Gesprächs ging es dann um die tagesaktuellen europapolitischen Entwicklungen, insbesondere das "No? der Iren zum Vertrag von Lissabon wurde ausgiebig diskutiert.
Direkt im Anschluss an den Termin im ZEI führte der Weg der grünen Delegation zur Hauptmensa. Dort verteilten Arndt Klocke, Kai Gehring und Angelica Marie Kappel hochschulpolitisches Infomaterial an die Studierenden. Die kurzen Gespräche nutzen viele Studis, um ihren Unmut über Fächersterben, immensen Lernstress und Campus-Maut Luft zu machen.
Und genau mit diesen Themen ging es gegen halb drei weiter. Mit Vertretern der Fachschaftskonferenz, des StuPas, der GHG und des AStAs diskutierten die grünen Politikerinnen und Politiker etwa eineinhalb Stunden. Gut vorbereitet und inhaltlich sehr fundiert wurde über die Stellenstreichungen bei den "Kleinen Fächern? an der Bonner Universität berichtet. Kai Gehring machte deutlich, dass er gerade in den vermeintlichen "Orchideenfächer? eine besondere Stärke sehe, mit der die Bonner Universität ihr Profil schärfen könne - gerade im Wettbewerb der Hochschulstandorte untereinander. Er werbe, wie auch schon in dem Gespräch mit Rektor Winiger am Morgen, um eine gesteigerte Wertschätzung für kleine Studiengänge. Diese zu streichen erweise sich meist als kurzsichtig und bedeute oftmals einen herben Verlust für die landes- und bundesweite Hochschullandschaft. Auch bei den Themen Studiengebühren, Studienplatzaufbau und Bolognaprozess gab es viel Diskussionsbedarf und Übereinstimmung. Speziell die Verwendung der Gebühreneinnahmen müsse an der Uni Bonn deutlich transparenter und nachvollziehbar gestaltet werden, so die klare Forderung der Studierenden. Ähnlich sei es bei der Übergangsquote vom Bachelor zum Master: Es gäbe einfach nicht ausreichend Plätze für diejenigen, die nach ihrem Bachlorabschluss weiter studierenden wollten.
Der Besuch der Bonner Uni und die spannenden Gespräche mit Studierenden und WissenschaftlerInnen haben deutlich gemacht, dass Bonn als Hochschulstandort gut aufgestellt ist. In schlechter Erinnerung blieben die zusätzlichen Sonder-Studiengebühren für Nicht-EU-Ausländer - deren sofortige Abschaffung haben wir auch medial noch mal eingefordert. Als landesweite Herausforderung wurde in Bonn der Erhalt der "Kleinen Fächer? besonders deutlich - das Thema gehört stärker auf die hochschulpolitische Agenda.